JOSEF DABERNIG. Excursus on Fitness
07.04.2010 - 12.09.2010
MAK-Galerie
In seiner Arbeit bewegt sich Josef Dabernig an der Schnittstelle von Theorie und Kunst. Er interessiert sich für Systeme und konditionierte Verhaltens weisen im Spiegel von Kultur und Gesellschaft sowie Fragestellungen zu Architektur, wobei er dokumentarische und fiktive Elemente einer möglichen Realität zu neuen Ideenräumen verbindet.
Dabernigs Auseinandersetzung mit rationalen, formal minimalen und präzise geordneten Strukturen, seine Vorliebe für Module und Serien, sein Sinn für Systemik im Detail und im Ganzen zeigt sich in der für die MAK-Galerie entwickelten Ausstellung „Excursus on Fitness“. Film, Fotografie, Skulptur und Installation verbinden sich unter verschiedenartigen inhaltlichen Bezügen zur „Turnpinakothek“. Dabei bildet Dabernig offene Räume und interpretiert Architektur auch in ihrer „inversen“ Form, der Umkehrung des Kinoraums außerhalb des logischen Projektionsraums und einem imaginären Vexierspiel von White Cube und Black Box. Die von Dabernig entwickelten Raumzellen verweisen auf die Formensprache des funktionalistischen Modernismus und beziehen sich auf eine intendierte körperlichere Tätigkeit im Sinne der Askese und der sich daraus ergebenden Isolation des Individuums.
Im Mittelpunkt des Films „excursus on fitness“ (2010) stehen Darsteller, die einfache Übungen ausführen. Dabei geht es weniger um Leistung und Körperertüchtigung, als um Disziplinierung und ein existenzielles Verhältnis zum Körper. Die Kommunikation innerhalb der Gruppe jedoch erstarrt in tableau-artiger Inszenierung zur Geometrie der Gesten und Blicke. Die Geometrie der Liebe – ein Verweis auf den Film „Teorema – Geometrie der Liebe“ von Pier Paolo Pasolini – wird als „Geometrie der Kälte“ imaginiert. Der Film ist stumm und betont durch die Abwesenheit des Tons das architektonische Zentrum als dramaturgischen Leerraum. Als Pendant bilden die im Eingangsbereich installierte Meditationsmusik aus „Sanctuary“ von Gandalf sowie am Ende des Parcours das monotone Motorgeräusch des Disziplinierung und Grenzüberschreitung thematisierenden Films „Parking“ (2003) die akustische Klammer.
„Excursus on Fitness“ verbindet narrative sowie strukturelle Elemente und überträgt eine filmische Methode in das Feld der „expanded sculpture“. Dabei denkt Dabernig reale Objekte als skulpturale Elemente. Gleichsam als Versatzstücke fungieren die Fotoserien „Stadionpanorama in Halle Neustadt“ (2006), „Sportplatzpanorama 5 in Kairo“ (2008) sowie Einzelbilder von Stadien, Sportveran staltungen und adaptieren Freiräumen: „Absperrung“ (2002), „Stadioneingang mit Fiat Panda“ (2001), „Stadionzufahrt“ (1999), „Reflexion“, (1999); „Disabled Cycling EC“ (2000), „Disabled Cycling EC“ (2002). In der Gesamtkonzeption lotet Dabernig das Spannungsfeld von Fläche und Raum beziehungsweise die Ökonomie der räumlichen Dimension in den Settings von Film und Installation aus.
Der namengebende Film „excursus on fitness“ wurde anlässlich der Ausstellung in der MAK-Galerie produziert.
Filmcredit: Josef Dabernig, „excursus on fitness“
2010, 11:31 min, Farbe, Ton
Kamera: Christian Giesser
© Josef Dabernig
Alle ausgestellten Werke Courtesy Galerie Andreas Huber
Produziert von: Josef Dabernig und MAK Wien 2010
Ausstellung: Josef Dabernig, Peter Noever; Kuratorin: Bärbel Vischer
Ausstellungsorganisation: Sabrina Handler; Technische Koordination: Michael Wallraff
MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst
(Presseinformation)